Das Image des Terrorismus im Kunstsystem

Das Image des Terrorismus im Kunstsystem632 Seiten Verlag Edition Metzel

Inhalt

Das Image des Terrorismus konstruiert sich aus einem komplexen Zusammenwirken von Anschlägen, Bildern, Texten und Kritik. Es bestimmt die Vorstellung, Repräsentation und Imitation politischer und religiös motivierter Gewalt, die Terror als Effekt einsetzt. Die Bild- und Begriffsgeschichte des Terrors reicht vom Kirchenportal bis zum Internet-Portal. Mit der Medienrevolution der Moderne haben sich auch die Formen des Terrors durch Terrorismus verändert. Die Untersuchung verfolgt diese Entwicklung einer terroristischen Mediasphäre ab der Französischen Revolution über die RAF hin zum sogenannten ‚Islamischen Staat’ aus kunstwissenschaftlicher Perspektive.
Von den Terroranschlägen des 11. September 2001 behauptete der deutsche Komponist Karlheinz Stockhausen, dass es sich um das „größte Kunstwerk“ handele, dass es je gegeben habe. Der Künstler wurde für seine Provokation zu Recht kritisiert, er stand jedoch prominent für eine Reaktion innerhalb des Kunstsystems, die als „Stockhausen-Syndrom“ benannt werden kann. Von Stockhausens kunstkritischem Urteil über 9/11 wird die seit mehr als 200 Jahren virulente Frage nach der revolutionären Avantgarde in der Kunst neu aufgerollt. Dazu gehören auch die Kunstkritik und die Kritik der Moderne, denn sie sind elementar für den hier weiterentwickelten Prozess der Kritikalität, der im Kunstsystem überhaupt die Voraussetzung schafft, das Image des Terrorismus zu verhandeln.

Inhaltsverzeichnis

1. Terrorismus und Kritik im Kunstsystem

Zur Struktur der Untersuchung
Terrorlogie in der Kunstwissenschaft
Mediologie und Terrorismus

2. Terror:
Gewaltkommunikation zwischen Gottesfurcht und Guerilla

Der neuzeitliche Terror-Begriff
Die funktionale Definition von Terrorismus
Terror-Ismus: Ein moderner Bewegungsbegriff
Terrorismus und Medienrevolution
Terrorismus als Kommunikationsstörung
Aufmerksamkeitsterrorismus und Terrorismusmarketing
Guerilla-Kommunikation
Stadtguerilla und RAF
Bildpolitik mit »Mindbombs«
Kommunikationsguerilla:
Politische Kunst und Terrorismus

3. Bildgewalt im ästhetischen Regime: Medien und Image des Terrorismus seit den Französischen Revolution

Das ästhetische Regime des Terrors in der Bildkritik
Das Image der Revolution: »les totes coupees«
Die politische Philosophie des
»terroristischen Imperativs«
Von der Guillotine zur Video-Exekution:
Hinrichtungsspektakel im Medienwandel

4. Die Kunst in den terroristischen Ikonografi

Davids Revolutionsikone:
Den Tod des Manat (1793)
Genhand Richters RAF-Zyklus
18. Oktober 1977 (1988)
Osama bin Laden als Phantom, Feindbild und Fetisch
Leichenschau als Hypenikon:
Den Situation Room (2011)
Terroristlnnen im medialen Gedächtnis
Den Memplex des Terrorismus
Bildenkrieg und Meme-Wars

5. Radikalismus und Kritikalität: Die Geburt der modernen Kunst aus dem Geist des Terrorismus

Moderne Kulturkritik und die Radikalisierung anti-modernen Ideologien
Avantgardekunst und Moderne-Kritik
Den Terrorbegriff in den idealistischen Philosophie

6. Tendenzen zur Avantgarde: Die romantische Kunstkritik

Den »kritische Terrorismus«
Den »ästhetische Terrorismus«
Die Kritikalität den Kunstkritik

7. Richard Wagners politische Ästhetik um 1849

Den »künstlerische Terrorismus«
Zerstörungsphantasien: Wagner und Bakunin
Die Kunst und die Revolution
Nietzsche contra Wagner: Dynamit und Götterdämmerung

8. Anarchistische Attacken: Neo-Impressionismus,
DADA und Surrealismus

Brandstiftersymbolik und die Propaganda der Tat
Semiotische Anschläge des DADAismus
La Revolution surrealiste
Kulturkritische Avantgarde
im Doktor Faustus

9. Radikalisierung der Neo-Avantgarden

Wiener Aktionismus und Destruktionskunst
1968 — Von der »vis ludens« zum Terrorismus
Ausbruch der Kunst: Kaufhausbrandstiftung und
Guerilla-Posen
Trennung der Avantgarden: Film oder Bombe
Ende des Kunstspiels: RAF Avantgarde

10. Revolution als Gesamtkunstwerk bei Joseph Beuys

Baader+Meinhof auf den Documenta-Schildern 1972
Terroristlnnen am Busen des Systems
»Radical Chic« und abstrakter Radikalismus
Re-enacting 1972: Christoph Draeger

11. Iconoclash im Monitor-Stadium

Ant Farm: Media Burn 1975
Re-enacting 1963: The Eternal Frame
Das Attentat als Medien Ereignis
Die Medienikone 9/11
»Requiem für die Twin Towers« bei Jon Kessler und Paul Thek

12. Das Kunstwerk im Zeitalten seinen terroristischen Reproduzierbarkeit

Der 11. September und die »Superformel« der Kunst
Das Stockhausen-Syndrom I
Das Stockhausen-Syndrom II
Re-entry der Avantgarde
Ironie der Kunstkritik
9/11 — ein »Ready made«?
Das memetische Begehren im terroristischen Bildakt
»Attaismus« und »Kunstterrorismus«
Re Mediatisierung des Terrorismus in der Videokunst
Terror Pop und Dschihad-Kultur
Terror-Kunst: Ästhetik der Bombe
L’artiste revolte

13. Je suis Charlie

14. Fazit und Perspektiven

15. Dank

Literaturvenzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Index

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